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Vietnam

Pho Yen: Verbesserung der Gesundheitsversorgung und Lebensbedingungen unverheirateter Frauen

Hintergrund

Die sozioökonomischen Bedingungen in Vietnam sind vor allem für unverheiratete Frauen (Alleinerziehende, Witwen, Geschiedene, Kinderlose) problematisch. Sie sind vom ökonomischen und gesellschaftlichen Aufschwung in Vietnam weitgehend ausgeschlossen und leben vor allem in den ländlichen Regionen des Nordens am Rande der Gesellschaft. Im Bezirk Pho Yen ist die Rate unverheirateter Frauen signifikant groß.

Eine Untersuchung der Frauenunion des Distrikts Pho Yen hat ergeben, dass unverheiratete Frauen überdurchschnittlich häufig an Frauenkrankheiten sowie an sexuell übertragenen Krankheiten leiden, was auch mit ihrem beschränkten Wissen über Gesundheitsvorsorge zusammenhängt. Aufgrund ihres niederen sozialen Status nehmen diese Frauen kaum am Sozialleben der Gemeinde teil; neben einem sozialen Netz fehlt ihnen insbesondere auch der Zugang zu Informationen und Institutionen der Gesundheitsförderung oder Arbeitsbeschaffung. Die meisten unverheirateten Frauen haben keine eigene Behausung, sondern leben auf den Grundstücken ihrer Eltern. Sie finden keinen Weg in die wirtschaftliche Selbstständigkeit, Armutsmuster werden perpetuiert. In den gesellschaftlichen Wertvorstellungen genießen unverheiratete Frauen wenig Respekt und werden deshalb regelmäßig Opfer von Ausgrenzung und Stigmatisierung.

Ziel

Das Projekt dient der Verbesserung der Lebensbedingungen und des Gesundheitszustandes unverheirateter Frauen in Thanh Cong (Distrikt Pho Yen, Provinz Thai Nguyen), einer armen Gemeinde im Norden Vietnams, die 14 Dörfer umfasst, in denen insgesamt 15.724 Personen in rund 2700 Haushalten leben. Die Menschen betreiben überwiegend Landwirtschaft; alternative Erwerbsmöglichkeiten bestehen kaum.

Die Verbesserung der Lebensbedingungen der unverheirateten Frauen wird durch folgende Mittel angestrebt:

  1. Bewusstseinsbildung sowohl auf Seiten der unverheirateten Frauen als auch – durch deren Einbindung in das Projekt – bei den lokalen Behörden.
  2. Verbesserung des Selbstversorgungsgrades unverheirateter Frauen durch Unterricht in Landwirtschaft.
  3. Gesundheitserziehung (insbesondere Frauenkrankheiten, Verhütung und HIV/AIDS-Prävention)
  4. Gesundheitsförderung durch regelmäßige und kostenlose gynäkologische Untersuchungen.

Zielgruppe

Das Projekt richtet sich an unverheiratete Frauen in der Gemeinde Thanh Cong , die jünger als 49 Jahre alt sind. 90 Prozent von ihnen leben unterhalb der Armutsgrenze, 80 Prozent leiden an gynäkologischen Erkrankungen. Über die primäre Zielgruppe hinaus sind auch lokale Behörden auf Ebene Gemeinde und Distrikt angesprochen; sie sollen für Gender-Anliegen und Frauenrechte auch von unverheirateten Frauen sensibilisiert werden.

Umsetzung

Die Projektdauer beträgt 12 Monate. In dieser Zeit wurden zunächst 25 lokale Entscheidungsträger durch spezialisierte Trainer der lokalen Partnerorganisation zum Thema Gender und Frauenrechte ausgebildet. Ab dem dritten Monat fanden fünf Trainingskurse an vier Tagen für jeweils 30 unverheiratete Frauen zu den Themen Gender und Gesundheitserziehung statt (vor allem Safe Sex, Verhütung, Prävention von Geschlechtskrankheiten und sexuell übertragbaren Krankheiten, Menopause). In der nächsten Projektphase wurden die Frauen durch Ausbildene des lokalen Landwirtschaftszentrums zum Thema Landwirtschaft und Tierhaltung ausgebildet. Zudem fand eine Gesundheitsuntersuchung mit Schwerpunkt Gynäkologie und eine generelle medizinische Untersuchung und Behandlung der Frauen statt. Dafür standen zwei Ärzte, eine Hebamme, eine Krankenschwester sowie ein Laborant aus dem Gesundheitszentrum des Distrikts zur Verfügung. Parallel wurde Aufklärungsmaterial an die Frauen der Zielgruppe sowie an die lokale Bevölkerung verteilt (Sets mit Karten zu Themen wie Frauenrechte, Gender; Gesundheitserziehung, HIV/AIDS-Prävention; und zu Landwirtschaftsfragen). Regelmässig wurden Gemeindeversammlungen zur Bewusstseinsbildung der lokalen Bevölkerung abgehalten, in die auch die unverheirateten Frauen integriert waren. In der abschliessenden Projektphase gab es ein Abschlusstreffen mit Vertreterinnen und Vertretern der Gemeinde (Frauengewerkschaft, unverheiratete Frauen, People´s Committee) und Vertretern der Distriktbehörden.

Projektträger im Partnerland

Vor Ort wird das Projekt betreut durch das Centre for Promoting Development for Women and Children (DWC), die projektbezogen mit den lokalen Frauengewerkschaften des Pho Yen Distrikts und der Gemeinde Thanh Cong zusammenarbeitet.

Update

Das Projekt wurde durch die lokale Partnerorganisation DWC, durch lokale Projektleiter und lokale Behörden evaluiert. Die Projektziele wurden erreicht.

Die gesundheitliche, soziale und ökonomische Situation der betroffenen Frauen hat sich durch das Projekt erheblich verbessert. Durch die medizinische Betreuung konnte die Vorsorge eingeführt werden, erkrankte Frauen erhielten Medikamente. Eine Gesundheitsbroschüre sorgt auch weiterhin mit vorbeugendem Rat für gesünderes Leben und Verhalten.

Bei der übrigen Bevölkerung führte das Projekt dazu, dass unverheirateten Frauen deutlich mehr Respekt entgegengebracht wird. Vor allem die Männer haben ihr früheres, von Spott und Verachtung geprägtes Verhalten weitgehend aufgegeben. Auf der lokalen Ebene werden die Projektergebnisse und die weiterführenden Maßnahmen in eine lokale Politik der Armutsbekämpfung integriert und fortgeführt. Dank freiwilligen Beiträgen und Anstrengungen der unverheirateten Frauen werden die Gemeinschaftszentren auch nach Beendigung des Projekts weitergeführt. Es ist geplant, neben den informellen Treffen mit den alleinstehenden Frauen, regelmäßig gemeinsame Weiterbildungsveranstaltungen zu Fragen der Landwirtschaft zu organisieren. 

Kind im boot 

Hue: Neugeborenen-Intensivstation an der Universitäts-Frauenklinik

Einrichtung der Neugeborenen-Intensivstation an der Universitäts-Frauenklinik und vierwöchiges On-the-job-Training für Hebammen und Krankenschwestern der Station.

Hue und Hanoi: Lehrveranstaltung von Prof. Dr. Michael Runge

Februar bis November 1998: Die Lehrveranstaltungen von Prof. Dr. Runge werden auf Hue und auf Hanoi erweitert.

Hoa Son: Aufbau eines Frauenkreditfonds

In dem Dorf Hoa Son soll mit Kleinkrediten (50 bis 100 $) Landfrauen der Ankauf von Geflügel und Saatgut ermöglicht werden. Der Kredit wird aus den Verkaufserlösen getilgt. Trägerin der Kreditorganisation ist die Frauenunion Hoa Son.

Hue: Technische Nachrüstung zur Ausbildung in Ultraschall, Krebsvorsorge und Reproduktivmedizin

Drei vietnamesische Stipendiaten wurden in einem dreimonatigen Praktikum in Deutschland und in der Schweiz ausgebildet. Dr. Bao machte ein dreimonatiges Praktikum an der Universitätsfrauenklinik, Dr. Hui absolvierte ein Jahr an der Universität Frauenklinik Freiburg und Dr. Thanh absolvierte ein zweimonatiges Praktikum an der WHO in Genf. Alle drei Frauenärzte praktizieren in der Zwischenzeit wieder am Universitätskrankenhaus in Hue/Vietnam.

Ho Chi Minh City: Fortbildung vietnamesischer Frauenärztinnen und -ärzte

Gastprofessur von Prof. Dr. Michael Runge an der Universität sowie am angeschlossenen Lehrkrankenhaus der Hung Voung Klinik in Ho Chi Minh City. Von Januar bis Juni 1997 fanden acht einwöchige Fortbildungsveranstaltungen in Ho Chi Minh City und in Hue statt. Acht deutsche Dozenten bildeten zu den Themen Unfruchtbarkeit und Risikoschwangerschaften aus. An diesen jeweils vier Kursen nahmen insgesamt 439 vietnamesische Ärztinnen und Ärzte aus dem ganzen Land teil. Von Mai bis Oktober wurden von Prof. Runge und Dr. Lattermann zweiwöchige Master Degree Kurse angeboten.

Hue: Ausbildungszentrum für textile Berufe am Kindergarten

 Ausbildungszentrum für textile Berufe am Kindergarten in Hue.